Frauen gegen KRIEG gegen Frauen

Schaufensterausstellung 2015

Das erste Schaufenster zeigt:
Frauen aus der Zeit der Ersten Frauenbewegung gegen den Krieg (1889 bis 1919)

1. Tafel
1889 veröffentlichte Bertha von Suttner (1843 – 1914) ihren Antikriegsroman „Die Waffen nieder!“. Er wurde in viele Sprachen übersetzt und weltweit gelesen. Er inspirierte auch zur Einberufung der ersten internationalen Friedenskonferenz in Den Haag im Mai 1899, auf der Regierungsvertreter über Möglichkeiten der Abrüstung, Reformierung des Kriegsrechts und Friedenssicherung durch internationale Schiedsgerichtsbarkeit verhandelten. Zur feierlichen Eröffnung am 18. Mai war Suttner als einzige Frau zugelassen. Danach blieben die Männer wieder unter sich.
1891 gründete sie die Österreichische Friedensgesellschaft, deren Präsidentin sie bis zu ihrem Tod war. Auf ihre Anregung hin und mit ihrer Unterstützung gründete sich im folgenden Jahr auch die Deutsche Friedensgesellschaft. Von 1892 bis 1899 war sie die Herausgeberin der Monatsschrift „Die Waffen nieder!“, dem Veröffentlichungsorgan beider Vereine sowie des internationalen Friedensbüros, deren Vizepräsidentin sie war.
Bertha von Suttner starb am 21. Juni 1914 während der Vorbereitungen zum für den September geplanten Weltfriedenskongress in Wien. Den Beginn des 1. Weltkrieges, vor dem sie nicht müde geworden war in ihren Veröffentlichungen und auf Vortragsreisen durch Europa und die USA zu warnen, erlebte sie nicht.

2. Tafel
Weltweit demonstrierten in den Tagen um den 15. Mai 1899 Frauen aus Anlass der ersten internationalen Friedenskonferenz in Den Haag für den Frieden.
Initiiert hatte diese erste international organisierte Frauenfriedenskundgebung Margarethe Lenore Selenka (1860 – 1923). In 18 Ländern und auf drei Kontinenten (Europa, Asien und Amerika) bekundeten Frauen auf 565 öffentlichen Versammlungen ihren gemeinsamen Protest gegen Krieg als Mittel der Politik. Mit einem Memorandum brachten sie ihre Erwartungen an die Konferenz in Den Haag zum Ausdruck.
Die gesammelten Unterschriften und Solidaritätsadressen der Frauen durfte Selenka zusammen mit Bertha von Suttner dem Präsidenten der Konferenz überbringen, auf der Frauen sonst weder Sitz noch Stimme hatten.
Margarethe Lenore Selenkas Überzeugung nach verband Frauenbewegung und Friedensbewegung ein gemeinsames Ziel, nämlich das Gewaltprinzip durch das Rechtsprinzip abzulösen.

3. Tafel
Vom 28. April bis 1. Mai 1915 trafen sich in Den Haag Frauen aus 12 Ländern zur ersten internationalen Frauenfriedenskonferenz, um über die Beendigung des 1. Weltkrieges und die Bedingungen für einen dauerhaften Frieden zu beraten. Von den weit über 1100 Delegierten waren 28 Frauen aus Deutschland angereist (neben Anita Augspurg und Lida Gustava Heymann, die schon der Vorbereitungsgruppe angehörten, auch Margarethe Lenore Selenka). Die Geschäftsleitung der Deutschen Friedensgesellschaft (DFG) hatte dem erst im Mai 1914 gegründeten Frauenbund der DFG untersagt, eine „offizielle Vertretung“ zu entsenden.
Die Frauenfriedenskonferenz fasste 20 Beschlüsse. Als eine unverzichtbare Voraussetzung für Frieden wurde die politische Gleichberechtigung der Frauen angesehen. Auf Antrag von Lida Gustava Heymann protestierten die versammelten Frauen auch ausdrücklich gegen die Vergewaltigungen von Frauen als Begleiterscheinungen von Kriegen.
Die Frauenfriedenskonferenz beauftragte Frauen aus ihrer Mitte, den Regierungen der kriegsführenden und neutralen Länder die Beschlüsse zu überbringen und zu erläutern.
Zur Weiterführung der internationalen Friedensarbeit gründeten die Teilnehmerinnen in Den Haag das Internationale Komitee für dauernden Frieden. Für die Weiterarbeit in den einzelnen Ländern wurde die Gründung eigener Organisationen empfohlen.

Auf der zweiten internationalen Frauenfriedenskonferenz im Mai 1919 in Zürich nannten sich die Frauen auf Antrag von Anita Augspurg einstimmig in „Internationale Frauenliga für Frieden und Freiheit“ / „Women’s International League for Peace and Freedom“ (IFFF/WILPF) um.

Im April 2015 feiert die bis heute tätige internationale Frauenorganisation mit Sitz in Genf ihr 100-jähriges Bestehen.

4. Tafel
Clara Immerwahr (1870 – 1915) promovierte als erste Frau an der Universität Breslau im Fach Physikalische Chemie. Ihre Eheschließung führte zum Ende ihrer Forschungstätigkeit.
Sie verurteilte, dass ihr Mann, Fritz Haber, als Direktor des Instituts für Physikalische Chemie und Elektrochemie der „Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft“ (der heutigen Max-Planck-Gesellschaft) seine Arbeit als Chemiker in den Dienst der Kriegsführung stellte. Er war maßgeblich an der Entwicklung von chemischen Massenvernichtungswaffen beteiligt, die im 1. Weltkrieg erstmals beim Giftgasangriff bei Ypern/Flandern am 22. April 1915 unter seiner Leitung zum Einsatz kamen. Nach diesem Einsatz, den er guthieß und für den er belobigt wurde, erschoss Immerwahr sich am 2. Mai 1915, am Morgen von Habers Abreise zu einem noch größeren Giftgaseinsatz, im Garten der Dienstvilla mit seiner Dienstwaffe. Ihre Abschiedsbriefe sind von unbekannter Seite vernichtet worden. Fritz Haber eilte wieder zurück an die Kriegsfront. Seit 1991 verleiht die deutsche Sektion der internationalen Vereinigung von Ärzten für die Verhütung des Atomkriegs (IPPNW) die Clara-Immerwahr-Auszeichnung.

Das zweite Schaufenster zeigt:
Aktionen der Frauenfriedensbewegung vor dem Zweiten Weltkrieg
Sexuelle Ausbeutung von Frauenhäftlingen aus Konzentrationslagern
Massenvergewaltigungen am Ende des Zweiten Weltkriegs

1. Tafel
Gertrud Woker und die IFFF

Gertrud Woker
(1878 – 1968) promovierte als erste Schweizerin im Fach Chemie. Sie zog sich aber nicht auf ihre wissenschaftliche Arbeit zurück. Vielmehr nahm sie ihre berufliche Tätigkeit als Naturwissenschaftlerin zum Ausgang für ihren lebenslangen politischen Einsatz als mutige Mahnerin und Kämpferin in der Internationalen Frauenliga für Frieden und Freiheit (IFFF).

Im Mai 1924 gründete sie auf dem Kongress der IFFF in Washington gemeinsam mit ihrer Berufskollegin Naima Sahlbom aus Schweden eine Kommission gegen den chemischen Krieg, nachdem die Ligafrau Gertrud Baer (1890 – 1981) vorgeschlagen hatte, den Schwerpunkt der zukünftigen Arbeit auf die Abrüstungsfrage zu setzen und den Informationen über die modernen Kriegsmethoden eine besondere Bedeutung beizumessen.
Auf der ersten Tagung der Kommission im November 1924 in Berlin beschlossen die versammelten Frauen, sie in ‚Kommission gegen die wissenschaftliche Kriegsführung‘ umzubenennen, weil sie ihre Arbeit auch auf die bakteriologische Kriegsführung ausdehnen wollten.
Auf Vorschlag der Ligafrau Frida Perlen (1870 – 1933) entwarfen Gertrud Baer und Naima Sahlbom den Text für einen Aufruf an die Vertreterinnen und Vertreter der Wissenschaften, sich jeder militärischen Dienstbarkeit zu verweigern.
Diesen Appell nahm Gertrud Woker dann in die Broschüre „Der kommende Giftgaskrieg“ (1925) auf, die sie im Auftrag der IFFF verfasste. Dieses Heft fand große Verbreitung.
Zur weiteren Aufklärung der Menschen unternahmen die Frauen Vortragsreisen durchs Land. Frida Perlen aus Stuttgart bereiste neben Württemberg und Baden auch das Ruhrgebiet. Sie sprach in großen Versammlungen, am 30. November 1924 in Bochum. Gestützt auf die Schriften von Gertrud Woker, die weltweit als wissenschaftliche Autorität in Fragen der modernen Kriegsmethoden anerkannt war, erklärten die Frauen, dass die Farbabteilung jeder Fabrik über die notwendigen chemischen Ausgangsmaterialien und den erforderlichen Apparat verfügen würde, um in wenigen Stunden ihre Herstellung auf Kriegsmittelproduktion umzustellen. Weiter legten die Frauen dar, dass in einem zukünftigen Krieg die Zivilbevölkerung den Angriffen schutzlos ausgeliefert sein würde.
Große Aufmerksamkeit fand die von der IFFF organisierte ‚Internationale Konferenz über die modernen Kriegsmethoden und den Schutz der Zivilbevölkerung‘ im Januar 1929 in Frankfurt am Main. Konsequente Forderung der Teilnehmerinnen und Teilnehmer war die Forderung nach allgemeiner und totaler Abrüstung und nach einer internationalen Abrüstungskonferenz.

2. Tafel
Die  Abrüstungskonferenz 1932

Zur Abrüstungskonferenz des Völkerbundes 1932 in Genf regte die Internationale Frauenliga für Frieden und Freiheit eine Unterschriftenaktion für die Forderung zur Gleichstellung aller Nationen und nach vollständiger Abrüstung an.
Internationale Frauenorganisationen sammelten 8 300 000 Unterschriften. Die weltweit gesammelten Unterschriften übergaben 200 Frauen feierlich während der Eröffnungszeremonie der
Abrüstungskonferenz am 6. Februar 1932.

3. Tafel
Bordelle in Konzentrationslagern

Bis heute weitgehend aus der Erinnerung an den Zweiten Weltkrieg ausgeklammert ist die besondere Opfergruppe von Frauenhäftlingen aus den Konzentrationslagern (KZ) Ravensbrück und Auschwitz – Birkenau. Diese Frauen wurden für eigens eingerichtete Bordelle für männliche KZ – Insassen und SS – Wachmannschaften in den Konzentrationslagern und in deren Nähe sowie für Wehrmachtsbordelle selektiert. Die weiblichen Häftlinge wurden ungefragt auch gegen ihren Willen ausgesucht und verschickt oder meldeten sich, um den erlebten lebensbedrohlichen Verhältnissen eine Chance des Überlebens entgegenzusetzen.
In den KZ – Bordellen waren sie ständig eingesperrt und von den übrigen Häftlingen des Lagers isoliert. Verhütungsmittel wurden nicht an sie ausgegeben. Frauen, die krank oder schwanger wurden, wurden durch „unverbrauchte“ Frauen ersetzt. Sie starben an Geschlechtskrankheiten, an den Folgen von Abtreibungen oder wurden umgebracht.
Lange Zeit wurde die Existenz der Bordelle in den Konzentrationslagern verschwiegen, so dass die überlebenden Frauen ihre besonderen Erfahrungen von Ausbeutung und Erniedrigung nirgendwo erwähnt finden konnten. Diese Tabuisierung hat es den Frauen auch nach dem Zweiten Weltkrieg erschwert, aus Scham und befürchteter Schuldzuweisung über ihre Gewalterfahrungen zu sprechen und für die an ihnen verübten Verbrechen „Entschädigungen“ einzuklagen.

4. Tafel
Die Massenvergewaltigungen am Ende des zweiten Weltkriegs

Die massenhaft vergewaltigten Frauen und Mädchen in Deutschland zwischen 1944 und 1955 (dem Zeitraum vom Vormarsch der alliierten Truppen auf Deutschland bis zum Ende des Besatzungsstatus) sind im Nachkriegsdeutschland frühzeitig aus dem Kreis der Kriegsopfer ausgeschlossen worden. Damit wurde ihnen auch der Anspruch auf Leistungen vom Staat in Form von Kriegsfolgekosten (z. B. Rente oder Schmerzensgeld) abgesprochen.
Nach den neuesten Forschungen der Historikerin Martina Gebhardt sind in diesem Zeitraum Hunderttausende Frauen von alliierten Soldaten und Besatzungsangehörigen aller Sieger-  bzw. Besatzungsmächte vergewaltigt worden: Frauen jeden Alters, kranke, schwangere. Die Täter verübten ihre Gewalttaten vielfach systematisch, sehr oft gemeinschaftlich und öffentlich, ganz offensichtlich zur Demonstration ihrer Macht.
Die Folgen für die vergewaltigten Frauen waren vielfältig und schwerwiegend. Sie reichten von der Ansteckung mit Geschlechtskrankheiten über aufgenötigte Schwangerschaften und finanzielle Belastungen durch damit verbundene Unterhaltspflichten bis hin zu gesellschaftlicher Ächtung. Vielfach wurde ihre Glaubwürdigkeit als Opfer bezweifelt. Sie wurden beschuldigt, Vergewaltigungen als Schutzbehauptungen zu verwenden. Nicht selten wurden sie für das, was ihnen angetan worden war, selbst verantwortlich gemacht.
Trotzdem wurde nach Ende des Zweiten Weltkrieges eine Zeit lang das rigide Abtreibungsverbot im Fall von Vergewaltigungsopfern aufgehoben, weil „erzwungene Schwangerschaften“ als den Frauen nicht zumutbar angesehen wurden. Doch erst Ende 1956 wurde beschlossen, dass es auf Antrag Ausgleichszahlungen für Mütter von sogenannten Vergewaltigungskindern geben sollte auf der Grundlage des Lastenausgleichs für Besatzungsschäden. Die Leistungen wurden nur bewilligt, wenn die Mütter Hergang und Begleitumstände minutiös schilderten und nachweislich keinen schlechten Ruf hatten. Ausschlaggebend für diesen Meinungsumschwung in der bundesrepublikanischen Gesetzgebung war nach Einschätzung von Martina Gebhardt der starke Wunsch in den 1950er Jahren nach Wiederherstellung des patriarchalen Familien- und Geschlechtermodells, nicht die Sorge um das Wohl der Antragstellerinnen und ihrer Kinder.
In Umkehrung von Ursache und Folge wurden Frauen zudem eine Zeit lang von den Besatzungsmächten als „Infektionsquellen“ für Geschlechtskrankheiten verfolgt. In Verdacht gerieten leicht Frauen, die nicht in „bürgerlichen“ Verhältnissen lebten (ohne Mann, Kinder usw.). Frauen konnten Gefahr laufen, von uniformierten Männern auf der Straße aufgegriffen, abtransportiert und zwangsweise von einem Gynäkologen auf Geschlechtskrankheiten untersucht zu werden. Solche gewaltsamen Übergriffe konnten Frauen frühere traumatische Erfahrungen mit Soldaten in Erinnerung rufen.
Bis heute werden die Leiden der von Soldaten und Besatzungsangehörigen vergewaltigten Frauen nicht als Folge von Kriegsverbrechen anerkannt. Die Frauen wurden nicht durch kollektive Bewältigungsstrategien wie z. B. Gemeinschaften von Gleichbetroffenen, Erinnerungsorte, Erinnerungsrituale unterstützt, wodurch es ihnen erschwert erschwert wurde, die erlebten Traumata zu verarbeiten. Nach Ansicht der US – amerikanischen Psychiaterin Judith Herman, die sich lange mit den Folgen sexualisierter Gewalt für die Opfer befasste, treten Traumafolgestörungen auf, wenn erlebte sexualisierte Gewalt nicht verarbeitet werden konnte.
Die Frauen, die mit der Bewältigung alleine gelassen wurden, sind heute, wenn sie noch leben, sehr alt. Der Altenpflegerin und Traumatherapeutin Martina Böhmer kommt das Verdienst zu, auf die Erfordernisse für den Umgang auch mit kriegstraumatisierten vergewaltigten Frauen in der Altenpflege aufmerksam gemacht zu haben.