DDF-Projekt 2022

„Wir machen draus ein Frauenhaus“ – Die Entstehung, Vernetzung und Arbeit der autonomen Frauenhausbewegung in NRW

ausZeiten steigt wieder in die Projektarbeit ein! Nach einem Jahr Pause ist es uns gelungen, ein neues Digitalisierungsprojekt, gefördert vom Deutschen Digitalen Frauenarchiv , einzuwerben.

Unser Thema in diesem Jahr: Gewalt gegen Frauen, autonome Frauenhäuser in NRW und ihre Entstehung vor über 40 Jahren. Zwei Nachlässe aus Bochum und Dortmund geben Aufschluss über die Geschichte der Häuser, ihre Gründerinnen, ihre Diskussionen mit Politikerinnen und Politikern, mit staatlichen Institutionen und mit Behörden, genauso wie untereinander.

Was haben wir vor, was erwartet euch?

Mit der Pandemie fand der Mangel an Schutzräumen für Frauen eine erneute Aufmerksamkeit. Plätze in Frauenhäusern wurden noch knapper. Dabei ist vielen nicht bewusst, dass es autonome Frauenhäuser noch gar nicht so lange gibt. Das erste westdeutsche Frauenhaus entstand 1976 in Berlin; Köln und Bielefeld folgten im selben Jahr. Ihren internationalen Vorläufer fand die autonome Frauenhausbewegung in England, wo Frauen in London um Erin Pizzey 1971 das erste Frauenhaus gegründet hatten. Auch in NRW entstanden aus der autonomen Frauenbewegung heraus Frauenhausinitiativen, die Frauen trafen sich und tauschten sich aus. Der feministische Anspruch war hoch, um die politischen Ziele wurde heftig diskutiert. Wie verlief die Gratwanderung zwischen politischem Anspruch zur Selbstverwaltung und “Hilfe zur Selbsthilfe” zu leisten auf der einen Seite und (feministischer) Sozialarbeit andererseits? Wie beeinflussten sich die entstehende Frauenforschung und autonome Frauenhausarbeit?

Im Zuge des Projekts erfassen und digitalisieren wir Materialien der Frauenhausinitiative Bochum und des Frauenhaus Dortmund im Zeitraum von 1976 bis Anfang der 1980er Jahre. Dazu gehören Flyer und Plakate, Protokolle lokaler, regionaler und nationaler Treffen, ebenso wie Baupläne, Überlegungen zu wissenschaftlichen Untersuchungen oder auch Diskussionspapiere z.B. zum Umgang mit bezahlter und unbezahlter Arbeit, zu feministischer Sozialarbeit oder zum Verhältnis zum Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverband (DPWV).
Ziel der Erfassung und Digitalisierung dieser Materialien ist es, ihre Nutzung für wissenschaftliche Arbeiten, für Ausstellungen und andere Gelegenheiten zu ermöglichen.
Mit unserer Aufarbeitung verbunden sind Fragen nach den Möglichkeiten politischer Einflussnahme der autonomen Frauenbewegung, den politischen Bewertungen von Gewalt gegen Frauen sowie zur Notwendigkeit einer Institutionalisierung und staatlichen Finanzierung von autonomen Frauenhäusern. Wichtig ist uns die historische Benennung von Gewalt gegen Frauen als Gewalt gegen Frauen und der Widerstand gegen diese Gewalt.

Im Meta-Katalog könnt ihr verfolgen, was wir im Laufe des Jahres schon erfasst haben.
Ende Oktober eröffnen wir im Bochumer Zentrum für Stadtgeschichte eine Ausstellung mit Exponaten zur Thematik Gewalt und Gegenwehr. Im November könnt ihr mit uns den Film ‚Born in Flames‘ von 1983 ansehen.


Termine:
Ausstellungseröffnung: Sonntag, 23.10.2022 um 11.00 Uhr
Führungen durch die Ausstellung:
Donnerstag, 10.11.2022, 17 Uhr
Mittwoch, 23.11.2022, 17 Uhr
Samstag, 10.12.2022, 15 Uhr

Filmvorführung ‚Born in Flames‘: Samstag, 5.11.2022 um 15.00 Uhr