Die Ausstellung wurde im Rahmen der Reihe "Herstory" der Landesarbeitsgemeinschaft Lesben in Nordrhein-Westfalen vom Frauenarchiv ausZeiten e.V. und der Rosa Strippe e.V. konzipiert.
Die Ausstellung über Lesben im Nationalsozialismus gründet sich auf die Ergebnisse der feministischen Forschung der letzten drei Jahrzehnte. Die Westberliner Forscherin Ilse Kokula war Mitte der siebziger Jahre die erste, die Interviews mit lesbischen Zeitzeuginnen durchführte und dokumentierte. In den achtziger Jahren begann die Historikerin Claudia Schoppmann mit einer umfangreichen wissenschaftlichen Aufarbeitung der Thematik. Das Ergebnis ist ihre Veröffentlichung „Nationalsozialistische Sexualpolitik und weibliche Homosexualität“. Mit einer überarbeiteten Neuauflage 1997 ist es das Standardwerk zu diesem Thema.
Die Ausstellung bezieht sich in wesentlichen Teilen auf die Forschungsergebnisse von Claudia Schoppmann und Ilse Kokula. Weitere Lesben haben über Lesben im Nationalsozialismus geforscht, wie beispielsweise die Berliner Politologin Christiane Leidinger und Ulrike Janz vom Frauenbuchladen Amazonas in Bochum. Christiane Leidinger hat sich dafür engagiert, dass in der Nähe von Berlin die Grabstätte eines lesbischen Paares zum ersten Mal in der BRD zu einem so genannten Ehrengrab erklärt wurde. Ulrike Janz setzt sich in Vorträgen mit der Frage lesbischer Mittäterinnenschaft und mit Lesben im Widerstand auseinander.
Die Ausstellung will der immer noch dürftigen Quellenlage über Lesben im Nationalsozialismus entgegenwirken. Die Unsichtbarmachung und Tabuisierung lesbischen Lebens reicht bis heute.
Erläuterungen zum Aufbau der Ausstellung:
Die Ausstellung besteht in der Originalfassung aus fünf thematischen Tafeln, fünf Biographietafeln und einem fiktiven Lebenslauf. Die Erläuterungen beziehen sich auf die ursprüngliche Form der Ausstellung. Die Internetpräsentation zeigt eine Auswahl der Tafeln.
"Wir (Rosa Strippe e.V. und Frauenarchiv ausZeiten) stellen in Übereinstimmung mit den Forschungsergebnissen von Claudia Schoppmann die These auf, dass die nationalsozialistische Homosexuellenpolitik geschlechtsspezifisch war und dass die Behandlung derjenigen Lesben, die nicht primär aus rassistischen Gründen verfolgt wurden, stärker durch die nationalsozialistische Frauenpolitik als durch die nationalsozialistische Homosexuellenpolitik bestimmt wurde. Eine jüdische Lesbe wurde nicht verfolgt, weil sie Lesbe war, sondern weil sie Jüdin war. Um ihre Frauenpolitik durchsetzen zu können, haben die Nationalsozialisten die damalige starke Frauenbewegung zerschlagen. Tafel 1 zeigt auch Nationalsozialismus interne Debatten um weibliche Homosexualität. In den Frauenorganisationen des Nationalsozialismus, der Frauenschaft im Nationalsozialismus, im BDM (Bund deutscher Mädel), im Reichsarbeitsdienst trat lesbisches Verhalten auf, für das eine Lösung gefunden werden musste."
zeigt Titelbilder von Büchern und Zeitschriften, in denen lesbisches Leben während des Nationalsozialismus beleuchtet wird.
* Tafel 3 „Kriminalisierungsdebatte“:
Lesben wurden nicht über den § 175 StGB (Strafgesetzbuch) kriminalisiert. Sie hatten, soweit sie als so genannte arische Frauen angesehen wurden, eine bevölkerungspolitische Aufgabe zu erfüllen, nämlich Kinder zu bekommen. Die Diskussionen der nationalsozialistischen Bevölkerungspolitiker verliefen kontrovers.
Für jüdische oder/und politisch verfolgte Lesben führte die rassistische und totalitaristische Nationalsozialismus-Politik oft zur Emigration und zum Leben im Untergrund. Demgegenüber war für so genannte arische Lesben entscheidend, dass die lesbische Subkultur zerschlagen war, dass Razzien drohten, dass bespitzelt und denunziert wurde. An das propagierte Frauenbild Zuordnung zu einem Mann und Unterordnung, keine „Vermännlichung“, die „weibliche Anmut“ bewahren und so weiter passten sich auch viele Lesben an. Es finden sich Beispiele für Sandehen und den Verlust des Bubikopfs.
Die Spurensuche ist hier extrem schwierig. Lesben waren nicht mit einem Winkel gesondert gekennzeichnet, es gibt nur wenige Dokumente und so gut wie keine Selbstzeugnisse. Überlebende haben abfällig über lesbisches Verhalten berichtet und das Muster der SS übernommen: lesbisch = „asozial“. Diese Beurteilungen sind beeinflusst durch die Lagerhierarchie, durch erfahrene Demütigungen, aber auch durch ein heterosexuell geprägtes Wahrnehmungsmuster.
Diese kleine Extratafel zeigt die Biographie einer fiktiven Lesbe, wie sie in der Mahn- und Gedenkstätte in Ravensbrück präsentiert wird.
Ein Beispiel für politisch unangepasste Lesben sind Johanna Elberskirchen und Hildegard Moniac, ein Lesbenpaar. Johanna Elberskirchen war frauenpolitisch aktiv in der alten Frauenbewegung, offen lesbisch und veröffentlichte Texte und ein Buch über „Die Liebe des dritten Geschlechts“. Hildegard Moniac erhielt als USPD-Mitfrau Berufsverbot.
Die Schriftstellerin Gertrud Schloß hat relativ offen als Lesbe in Trier gelebt. Sie veröffentlichte Liebesgedichte, die sich an Frauen richten. Sie fiel als Jüdin der Vernichtungspolitik des Nationalsozialismus zum Opfer und wurde wahrscheinlich im Konzentrationslager Kulmhof ermordet.
Claire Waldoff aus Gelsenkirchen ist ein Beispiel für eine Lesbe, die sich einerseits anpasste, an Wehrmachtskonzerten beteiligte, aber trotzdem immer wieder aneckte. Eine zwiespältige Ahnin.
Gertrude Sandmann hatte als jüdische Malerin in Berlin Berufsverbot, konnte untertauchen und mit Hilfe ihrer Freundinnen überleben.
„Und trotzdem ..." lautet der Titel der Ausstellung. Wir haben ihn übernommen von einem Lied, das Eva Busch gesungen hat und nach dem sie ihre Autobiographie benannt hat. Eva Busch hat als politisch Aufsässige Ravensbrück überlebt.
Die Ausstellung wurde im Rahmen der Reihe "Herstory" der Landesarbeitsgemeinschaft Lesben in Nordrhein-Westfalen vom Frauenarchiv ausZeiten e.V. und der Rosa Strippe e.V. konzipiert und kann ausgeliehen werden.Kontakt unter: Rosa Strippe e.V., Kortumstraße 143, 44787 Bochum,
Bürotelefon: 0234 / 640 46 21
(montags, mittwochs von 14 bis 16 Uhr, freitags von 11 bis 13 Uhr).
Rosa Strippe e.V.
Frauenarchiv ausZeiten
Mit freundlicher Unterstützung des Ministeriums für Gesundheit, Soziales, Frauen und Familie des Landes Nordrhein-Westfalen, Akzeptanzkampagne des Landes Nordrhein-Westfalen