Freitag, 10. Februar 2012 um 19.00 Uhr
Emma Trosse (1863-1949), verheiratete Külz –
Eine zwiespältige Vorreiterin homosexuellen-emanzipatorischer Publizistik
Emma Trosse war die erste. Früher als andere AutorInnen – von denen wir bislang weltweit wissen – plädiert sie in ihren emanzipatorischen homosexuellen-politischen Schriften für „mutiges, energisches Kämpfen“. 1895 und 1897 erscheinen ihre Werke noch vor denen bekannterer ZeitgenossInnen wie Magnus Hirschfeld und Johanna Elberskirchen oder Theo Anna Sprüngli (Anna Rüling). Die Bücher werden verboten. Die Autorin publiziert sie halb/anonym, spielt mit Geschlechterbildern und daraus resultierenden ignoranten Vorannahmen zu Autorenschaft.
Der Vortrag spürt die weitverzweigten Fährten von (Külz-)Trosses Lebenswegen als Lehrerin, Leiterin und Autorin auf. Dabei spielen Mädchenbildung, das „Dritte Geschlecht“, mittelalterliche Medizin und Zuckerkrankheit eine Rolle. Trosses Neukategorisierung der „Sinnlichkeitslosen“ als Teil des „Dritten Geschlechts“ sind innovativ – und biographisch relevant: Sie rechnet sich selbst dazu. Außergewöhnlich ist zudem ihre Beurteilung der gesellschaftlichen Sicht auf homosexuelle Frauen und Männer: Mit einem weiten Begriff von Diskriminierung kritisiert sie Vorurteile und das „Spötteln, Bekritteln und Lachen“ sowie „Verleumdungen und Gehässigkeiten jeder Art“. Ihre politische Haltung im Kaiserreich zeigt sie jedoch zudem als zwiespältige Vorkämpferin und offenbart ihr Werk als gleichermaßen positives und negatives Eigentum von Frauen-, Lesben- und Schwulengeschichte.
Multimedialer Vortrag mit vielen Bildern und Quellenmaterial
Referentin ist Dr. Christiane Leidinger, freischaffende Politikwissenschaftlerin, Berlin
Hinweis: für FrauenLesben
Eine Vortrags- und Diskussionsveranstaltung in Kooperation mit der